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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Cars 2 (Michael Giacchino)

Walt Disney / 2011

CD

Bewertung:


    01. You Might Think -- Weezer (3:07)
    02. Collision Of Worlds -- Robbie Williams (3:36)
    03. Mon Coeur Fait Vroum -- Bénabar (2:49)
    04. Nobody's Fool -- Brad Paisley (4:17)
    05. Polyrhythm -- Perfume (4:09)
    06. Turbo Transmission (0:52)
    07. It's Finn McMissile! (5:54)
    08. Mater The Waiter (0:43)
    09. Radiator Reunion (1:39)
    10. Cranking Up The Heat (1:59)
    11. Towkyo Takeout (5:40)
    12. Tarmac The Magnificent (2:38)
    13. Whose Engine Is This? (1:22)
    14. History's Biggest Loser Cars (2:26)
    15. Mater Of Disguise (0:48)
    16. Porto Corsa (2:55)
    17. The Lemon Pledge (2:13)
    18. Mater's Getaway (0:59)
    19. Mater Warns McQueen (1:31)
    20. Going To The Backup Plan (2:25)
    21. Mater's The Bomb (3:16)
    22. Blunder And Lightning (2:17)
    23. The Other Shoot (1:03)
    24. Axlerod Exposed (2:21)
    25. The Radiator Springs Grand Prix (1:30)
    26. The Turbomater (0:50)

    TT: 63 min

Für Michael Giacchino ist seine Arbeit an Pixars „Cars 2“ die dritte Gelegenheit, eine Musik zu einer Fortsetzung eines Kinofilms beizusteuern. Ebenso wie „Star Trek“ und „Mission: Impossible 3“ ist das Animationspektakel jedoch der Einstieg Giacchinos in die jeweilige Filmreihe, er übernahm also das Zepter von anderen Komponisten. Fortsetzungen seiner eigenen Scores blieben bisher auf Fernsehen und Computerspiele beschränkt – in Kürze wird er jedoch mit „Mission: Impossible 4“ erstmalig eine eigene Kinofilmmusik weiterspinnen. Für „Cars 2“ bedeutet das ebenso wie für die beiden anderen bisherigen Sequels, dass Giacchino entweder an existierende Vertonungskonzepte andocken oder gezielt einen musikalischen Neustart versuchen konnte.
Für „Cars 2“ entschied er sich für einen eigenen Ansatz für den Score, obgleich das Ergebnis nicht völlig konträr zu Randy Newmans Vertonung des ersten Teils ist. Gemeinsam haben sie die schwungvollen, großorchestralen Untermalungen der Rennduelle mit wirbelnden Streichern und viel Blech, Newman arbeitete diese jedoch weitaus traditioneller aus und kontrastierte die klassische Sinfonieorchesterbesetzung nur sehr punktuell mit moderneren Elementen wie Schlagzeug oder Gitarren. Für „Cars 2“ ist ein solcher Cocktail der unterschiedlichsten Ensembles, Soloinstrumente und damit auch Rhythmen, Klangbildern und Stimmungen wichtigstes Merkmal der Musik. Sie steht damit in Kontinuität zu den glanzvollen Scores zu „Ratatouille“ und „Up“ von Giacchino, die deutlichste Vorlage für „Cars 2“ ist jedoch Giacchinos Arbeit zu „Speed Racer“. Dieser fast vollständig am Computer erstellte Spielfilm weist erstaunliche Parallelen zum Pixar-Abenteuer auf (CGI-Ästhetik, Autorennen, Farbigkeit, kindgerechte Geschichte), sodass man „Speed Racer“ vielleicht sogar als Giacchinos persönliches „Cars 1“ bezeichnen könnte.
Gemeinsam mit seinem Score zu dem arg gefloppten Wachowski-Projekt hat „Cars 2“ seine orchestrale Herangehensweise, die schnellen Rhythmuswechsel und die zu Teilen big-band-artige Verwendung des Blechbläserapparats Referenzen an „The Incredibles“ sind dabei natürlich inkludiert. Stärker zum Vorschein kommen die bereits erwähnten nicht-sinfonischen Instrumente und Klänge, die von Percussions über Gitarren bis hinzu Blasinstrumenten reichen. Großen Einfluss hat laut Giacchino die instrumentale Surf-Musik, die in den 1960er Jahren in Kalifornien populär wurde. Ihr Markenzeichen sind lässige Gitarrensets (inklusive E-Bässe), eher „leichte“ Drums und Becken, Saxophon und E-Klaviere oder -Orgeln. Im Mittelpunkt standen Gitarristen wie Dick Dale, später etablierte sich auch ein vokaler Surf-Sound durch Bands wie die Beach Boys. in „Cars 2“ baute Giacchino alle Elemente des instrumentalen Surf-Rocks ein und so dominieren Gitarren, Drums, Xylophon, E-Bässe und Hammond-Orgel die nicht-sinfonischen Anteile der Musik. Die Melange gelingt ihm wie gewohnt erstklassig, die verschiedenen Stilrichtungen greifen mühelos ineinander und stimulieren sich gegenseitig. Die rasanten Rennen werden auf diese Weise dynamisch, vielfältig und lässig untermalt – orchestratorisch kann man Giacchino also gewohnt hohes Niveau attestieren.
Dass sein Score zu „Cars 2“ dennoch nicht völlig überzeugt, hat zwei Gründe. Zum einen kennt man diese Art von Musik von dem Amerikaner bereits sehr gut, mit sauberen orchestralen Arrangements und wild-rasanten Anreicherungen aus anderen Musikstilen kann er nicht mehr überraschen. Mit Verweisen auf „Speed Racer“ und „Ratatouille“ ist bereits weitgehend umrissen, was einen bei „Cars 2“ erwartet. Der zweite Punkt ist die thematische Durchdringung. Giacchino spendiert seinem Score lediglich ein kurzes Hauptmotiv und dekliniert dieses im Verlauf des Films durch. Es ist in seinen Wurzeln eindeutig ein Gitarrenriff und ist als solcher auch einprägsam. Zwar ist spannend zu sehen, wie er das Motiv durch die Instrumentengruppen jagt (viele gelungene Arrangements sind dabei), es bleibt aber zu wenig, um die gesamte Partitur zu tragen. Nimmt man beide Faktoren zusammen, also bekannte Herangehensweise bei der Orchestration und etwas einfach gehaltene thematische Durchdringung, ist „Cars 2“ nicht so überzeugend wie er hätte sein können.
Zusammenfassend muss man aber festhalten, dass Giacchino mit der neuesten Arbeit für Pixar keineswegs enttäuscht. Die Arrangements sind pfiffig und routiniert und das Gesamtpaket dynamisch und unterhaltsam. Ähnlich wie bei „Speed Racer“ kommt man also nicht umhin, die Musik über den üblichen Einheitsbrei zu erheben und eine Bewertung von 3,5 Sternen zu vergeben. In Giacchinos Karriere häufen sich Musiken mit dieser Bewertung in letzter Zeit, das Potenzial für mehr hat der Amerikaner jedoch zweifelsohne. 

Jan Zwilling / 23.06.11

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