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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Carnivale (Jeff Beal)

Varese / 2004

CD

Bewertung:


    01. Carnivàle End Title (Ben's Theme) (01:05)
    02. Dora Mae's Funeral (02:03)
    03. Carnivàle Main Title Theme (01:26)
    04. Meet Samson, Ben's Dream (01:30)
    05. Justin at Mr. Chin (Justin's Theme) (04:04)
    06. His Name Was Michael (02:17)
    07. Storm's Coming (01:41)
    08. Ben Heals The Girl (01:59)
    09. Rita Sue and Jonesy (01:45)
    10. Lodz and Ben (02:05)
    11. Tne Carnivàle Convoy (02:07)
    12. We Can Be Saved (03:13)
    13. The Mark of The Beast (03:00)
    14. The Silent Film (01:13)
    15. Fix Up Dora Mae (01:15)
    16. Black Blizzard (05:06)
    17. Ben Heals Kerrigan (01:31)
    18. Justin Calls Iris (02:05)
    19. Management's Advice (00:56)
    20. You're The One (02:50)
    21. The Russian Front (01:22)

    TT: 60 min
    22. Babylon (04:06)
    23. Ben Searches The Templar Hall (03:07)
    24. Sofie Reads The Cards For Ben (03:26)
    25. Lodz and Management's Plot (01:36)
    26. Lucky To Have Jonesy (Sofie's Theme) (03:20)

Die CD-Veröffentlichung des Scores zur HBO-Miniserie “Carnivale” von Jeff Beal gibt uns die Gelegenheit, einen bisher kaum bekannten Komponisten näher zubeleuchten. Beal, der seinen größten Kinofilm bisher mit Ed Harris’ “Pollock” vertonte, ist ein Absolvent der Eastman School of Music (er spielt selbst Trompete) und gehört am ehesten zur der Riege von Crossover-Komponisten, die neben den klassischen Wurzeln in Richtungen wie Ambient-Pop, Sound-Design, Jazz oder ethnische Musik ihre Inspiration suchen. Seine Musiken sind lebhafte Collagen, oft mit minimalistischem Aufbau und einem sehr diversifiziertem Klangrepertoire. Beal vertonte bisher verschiedenste Projekte, von knapp zwei Dutzend Filmmusiken bishin zu Theaterinszenierungen, Dokumentationen (z.B. über den Dalai Lama) oder Konzertkompositionen, zu denen unter anderem das von Kent Nagano bestellte “Alternate Route, for trumpet and orchestra” und mehrere Werke für Jazz-Orchester und Streichquartett zählen. In der Filmmusik stehen im die vielschichtigen Klangexperimente von Thomas Newman und minimalistische Tendenzen von Philip Glass am nächsten.

Seine Musik zur HBO-Serie “Carnivale” konzipierte Beal wieder als vielschichtige Collage, um die vielfältigen Charaktere und Orte der Vorlage zu verbinden. Die Serie dreht sich um eine Art Wanderzirkus, der in den dreißiger Jahren, während der Wirtschaftskrise, durch die Südstaaten der USA zieht - ein Anziehungspunkt für schräge Figuren, vereinsamte Charaktere und verkappte Genies. Die Mischung aus Charakterdrama und skuriller Zirkusshow vor der noch sehr ländlichen Kulisse verarbeitete Beal mit Anklängen an coplandsche Americana, dem Blue-Grass Stil, sphärisch-rhythmischen Klanggebilden und zum Teil stark synthetisch durchsetzten Komplexklängen.
Er stützt sich dabei vor allem auf kleinere Ensembles, verstärkt auf Gitarren, Klavier, Violine, Cello und Trompete, die von einem größeren Streicherapparat unterstützt werden. Zuweilen wird die Musik stärker ethnisch durchsetzt, wenn Banjo, Mundharmonika oder Ukulele erklingen, oder auch leicht durch ein Harmonium religiös angehaucht. Ein klein wenig schimmern mitunter auch ethnische Instrumente wie das Duduk durch. Im Gegensatz zum recht harschen und kühlen “Pollock” vermischen sich die Elemente, zum Teil auch durch synthetische Unterstützung, zu einem fließenden, leicht entrückt und sphärisch klingenden Ganzen. Sie Synthetik ist dabei zuweilen kräftig, aber nie aufdringlich und mit Bedacht eingesetzt, hauptsächlich um der Atmosphäre etwas den Realismus zu nehmen. Ähnlichkeiten zum Konzept von “White Oleander” oder anderen ähnlichen Dramen von Thomas Newman sind evident.

Thematisch bekommt man einiges an charakter-bezogenen Motiven zu hören, auffällig ist das von der Violine intonierte Thema für Ben. Viele der Seitencharaktere werden durch kurze melodische Phrasen identifiziert, vor allem werden Ihnen aber klangliche Identitäten durch die Wahl der Soloinstrumente. So ist “Sophie’s Theme” eine melodisch unprägnante, aber klanglich interessante Verbindung von Steel Guitar und Klavier, später ergänzt durch ein Violinsolo. An einer Stelle, dem Track “Justin Calls Iris” setzt Jeff Beal sehr reizvoll zwei Solostimmen (ein Mann und eine Frau) über das Arrangement.

Die Veröffentlichung der Musik bei Varese Sarabande ist erfreulich, denn TV-Produktionen wie “Carnivale” wird nur höchst selten eine solche Ehre zu Teil. Die Musik ist dabei zu empfehlen, auch wenn ich eine Bewertung von mehr 3,5 Sternen für zu hoch halte. Das schick designte Booklet, die satte Stunde Laufzeit und der runde Klang lassen keine Wünsche offen.

Jan Zwilling / 31.01.07

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