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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Bourne Supremacy (John Powell)

Varese / 2004

CD

Bewertung:


    1. Goa (2:59)
    2. The Drop (3:42)
    3. Funeral Pyre (2:21)
    4. Gathering Data (1:54)
    5. Nach Deutschland (2:40)
    6. To The Roof (5:32)
    7. New Memories (2:48)
    8. Berlin Foot Chase (5:16)
    9. Alexanderplatz/ Abbotts Confesses (3:35)
    10. Moscow Wind Up (6:55)
    11. Bim Bam Smash (5:09)
    12. Atonement (1:32)
    13. Extreme Ways (Moby) (3:56)

    TT: 48 min

2002 lief ein Film mit Matt Damon recht erfolgreich in den Kinos. „Die Bourne Identität“ erregte hierzulande vor allem Aufmerksamkeit, da Franke Potente die weibliche Hauptrolle neben dem großen Star Matt Damon spielen durfte. Die Fortsetzung, die seit kurzem in den Kinos läuft, hat auch wieder ein deutsches Element: ein Großteil des Films spielt in Berlin.

Für einen Actionfilm ist die Story erfrischend intelligent- es geht nicht nur um Explosionen, sondern um eine interessante Hauptfigur und ihre Probleme. Jason Bourne ist nämlich CIA-Killer- allerdings leidet er unter Amnesie. Was es mit seiner Vergangenheit auf sich hat, und wie diese überhaupt aussah, ist der Aufhänger für die ersten zwei Filme. Sie basieren auf den Romanen des 2001 verstorbenen Autors Robert Ludlum, der insgesamt 3 Romane über Bourne geschrieben hat. Die Dreharbeiten zu „Das Bourne Ultimatum“ sind derzeit im vollem Gange.  Anfang September soll der dritte Teil in die Kinos kommen.
Im zweiten Film spielen neben Matt Damon und Franka Potente in den Nebenrollen exzellente Charakterdarsteller wie Joan Allen und Brian Cox. Der mit „Herr Der Ringe“ bekannt gewordene Karl Urban hat eine kleine Rolle als russischer Killer, der Bourne erledigen soll. Obwohl der Regisseur gewechselt hat (Teil 1 wurde von Doug Liman inszeniert, Teil 2 von Paul Greengrass) blieb der Bourne-Komponist der selbe.

John Powell, ehemaliger Schüler von Hans Zimmer, hat für den ersten Teil einen nahezu vollständig elektronischen Score geschrieben. Für den zweiten Teil arbeitet er mehr mit dem Orchester, was der Qualität der Musik definitiv zu Gute kommt. Elektronische Elemente sind zwar auch vorhanden, interessanterweise benutzt Powell aber vor allem die Streicher zur Dynamikerzeugung. Der Rhythmus selbst scheint anstelle einer motivischen Idee zu stehen, denn obwohl die Streicherläufe sich oftmals voneinander unterscheiden ist doch immer durch die rhythmische Struktur ein gemeinsames Element erkennbar. Flächigere Streichermomente und „echtes“ sowie elektronisches Schlagwerk sorgen für einen gewissen Kontrapunkt, der letztendlich jedoch nicht als besonders komplex bezeichnet werden kann. Obwohl die Streicher nicht gesampelt aus dem Computer stammen sondern von der Hollywood Studio Symphony eingespielt wurden, ist der Gestus der Musik durch das Fehlen einer Melodie und die Betonung des Rhythmus eher maschinell- was man durchaus als Kommentar zum Geschehen des Films auffassen kann, da dort durch die Geheimdienst-Leute, die alle nur ihren Job machen, ohne über moralische Folgen nachzudenken, einige sehr unmenschliche Dinge geschehen. Ein wenig erinnert das ganze auch an David Arnolds Bond-Scores.

In einigen Rückblenden und einer sehr tragischen Szene (die hier nicht verraten werden soll) hat Powell auch einige gelungene Momente für Holzbläser und die hohen Streicher konzipiert (in den Actiontracks dominieren die tieferen Streicherlagen das musikalische Geschehen) die auch mithelfen, den Score über den des Vorgängerfilms hinauswachsen zu lassen. Vorwiegend in den ruhigen Momenten arbeitet der Komponist auch das sehr reflektive, hübsch anzuhörende Bourne-Motiv für Fagott ein, das mit seiner melancholischen Art sehr gut zum Charakter des Protagonisten passt.
Die Tracks auf der Soundtrack-CD sind ungefähr in Filmreihenfolge angeordnet, wodurch man zumindestens auch eine kleinere musikalische Entwicklung in der Musik ausmachen kann- diese besteht allerdings in der Erhöhung der elektronischen Anteile, so dass der finale Action-Track „Bim Bam Smash“ zu einer spektakulären Autoverfolgungsjagd durch Moskau in einem fast reinen Techno-Track ausartet, zu dem sich erst später die dynamischen Streicher dazugesellen, die in der Abmischung zugunsten der Elektronika etwas untergehen. Dadurch lässt das Finale qualitatitv etwas nach und weiß weniger zu gefallen als die Cues davor.

Abgeschlossen wird die CD von einem gelungenen Pop-Song von „Moby“, der stilistisch natürlich aus dem Rahmen fällt, für sich gesehen aber auch einige Hörqualitäten besitzt.

Fazit: John Powell ist ein routinierter, dynamischer und gut anhörbarer Score gelungen, der durchaus über anderen Action-Arbeiten von Powell einzuordnen ist. Damit beweist er einmal mehr, dass er seinen ehemaligen Lehrmeister lange hinter sich gelassen hat. Ein eigener Stil, der nicht so sehr nach Media Ventures klingt, lässt sich hier durchaus feststellen. Ein großes Meisterwerk ist „The Bourne Supremacy“ damit nicht, aber es ist durchaus ein gelungener Actionscore, der vielen „Hauptsache laut!“-Arbeiten, die in vielen Hollywood-Filmen zum Einsatz kommen, überlegen ist.

Jan Boltze / 25.02.07

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