Kritiken
Body Of Lies (Marc Streitenfeld)
Varèse / 2008
Bewertung:

Sir Ridley Scotts letzter Film „Body of Lies“ (unsäglich vom Filmverleih eingedeutscht als „Der Mann, der niemals lebte“), der Ende März 2009 auf DVD und Blu-ray-Disc erscheinen wird, schickt Leonardo DiCaprio als Spion im Feldeinsatz in den Nahen Osten, um dort gegen Terroristen zu ermitteln – angeleitet von Agent Hoffman (Russell Crowe), der bequem aus Washington heraus seinen Agenten die Drecksarbeit machen lässt, während er zuhause mit seinen Kindern spielt.
In der Rückschau auf Ridley Scotts mittlerweile über 30 Jahre währender Karriere als Spielfilmregisseur fällt auf, dass er mit keinem Komponisten richtig lange zusammengearbeitet hat. Scotts momentaner Favorit ist Marc Streitenfeld, der im Umfeld von Hans Zimmer seine ersten Gehversuche in Hollywood gemacht hat und bei Scotts Romanze „A Good Year“ erstmals hauptverantwortlich das leere Notenpapier mit Leben füllen durfte. Streitenfeld vertonte den Thriller ziemlich genau so wie man es von einem Hollywoodfilm dieser Budget-Größenordnung erwarten durfte. Zum x-ten Mal gibt es hier wieder arabische Exotismen in westlicher Kompositionsweise zu hören, die ihren geographischen Bezug überwiegend durch die Instrumentierung und bestimmte musikalische Klischees erreicht, die schon seit vielen Jahren funktionieren.
Das eingängigste Thema besteht aus einem Gitarrenpart, der sich mit einer orientalischen Streicherfigur aus für Arabien charakteristischen Intervallen abwechselt und dabei auch von arabischen Holzbläsern und Trommeln begleitet wird. Ein zweites Thema ist recht ähnlich aufgebaut und könnte beim ersten Hören fast mit ersteren verwechselt werden – im Vergleich zu ersteren ist die erzielte Stimmung eher nachdenklich und melancholisch. Die Verarbeitung dieser Themen bleibt eher blass und findet vor allem über Wechsel der Tempi und Instrumentierung, aber nur selten auf der harmonischen Ebene statt.Dieses Instrumentarium beherrscht dann auch den Rest der Musik – das Schlagwerk kommt vor allen in Spannungsmomenten in unruhiger Rhythmik zum Tragen und verortet damit den klanglichen Gesamteindruck gleich in der Nähe von einigen ehemaligen Zimmer-Schülern, die ihre Arbeiten ähnlich gegangen sind. Erinnerungen an Cues wie „Tangiers“ aus John Powells „Bourne Ultimatum“ sind daher nicht ganz abwegig. Powell geht letzten Endes aber noch eine Ecke gekonnter mit dem Orchesterapparat um, was sich besonders in den dynamischen Streicherfiguren in der „Bourne“-Trilogie zeigt.
Streitenfelds Partitur ist dabei durchaus auf einem soliden Mindeststandard gemacht. Durch die Instrumentierung wirkt es alles relativ authentisch arabisch. Sein Hauptthema ist recht eingängig gelungen. Durch den Mangel an Originalität bleibt aber kaum mehr als ein durchschnittlicher Eindruck zurück.
Jan Boltze / 25.03.09
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