Kritiken
Being Julia (Mychael Danna)
Varese / 2005
Bewertung:

Komponist Mychael Danna konnte im letzten Jahr seinem bereits recht vielseitigem Werk durch zwei Filmmusiken eine neue Facette geben. Mit “Vanity Fair” und “Being Julia” bewies er sich auf dem Gebiet des klassischen Ausstattungsfilms und empfahl sich mit seinen stilechten und geschickt auskomponierten Musiken für dieses Genre. “Vanity Fair” spielte im die Jahrhundertwende zum neunzehnten Jahrhundert, seine kurz darauf fertiggestellte Arbeit “Being Julia” in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Julia (Anette Bening) ist eine glamouröse Theaterdarstellerin und Regisseur István Szabó entwarf mit exquisiter Besetzung (Michael Gambon, Jeremy Irons, Bruce Greenwood) ein Zeit- und Milieuporträt um Liebe, Show und Rache.
Die Musik teilt sich in zwei Teile, den Score von Mychael Danna und eine gute Handvoll zeitgenössischer Songs. Den direkten Bezug zur Zeit der Handlung stellen die Lieder her, Klassiker von den Andrew Sisters bis Denzel Sinclair, die sofort den freigeistigen Charme der späten zwanziger und dreißiger Jahre aufleben lassen. Sie spielen daher eine relativ wichtige Rolle für den Ton des Films, dem sich die Original-Musik unterordnen muss.
Mychael Danna kam erst sehr kurzfristig hinzu, um den Score für den Film zu schreiben. Ein anderer Komponist wurde gefeuert und Danna sprang für ihn ein. Er legte seinen Score bewusst als kleinen Kontrast zu den Songs an, indem sie sich auf den Charakter der Julia konzentrierte. Ähnlich wie die Hauptfigur von “Vanity Fair” charakterisierte Danna Julia als resolute, durchsetzungsstarke und glamouröse Frau, somit baute er den Score monothematisch um ein markantes Thema für Julia auf. Es wird bereits im ersten Track vorgestellt, eine elegante und ausschweifende Violinenmelodie, die geschickt von einem kleinen, klassizistisch anmutenden Orchesterapparat umspielt wird. Gezupfte Streicher, expressive Soli der Violine und viel Kolorit von Harfe, Xylophon und Holzbläsern zeugen von einer reifen technischen Umsetzung. Die kurzen Scorestücke wirken damit einmal mehr galant und äußerst eindrücklich, auch wenn sich der Wirkungskreis des Scores durch die Kürze der Stücke und den dominanten Charakter der Songs beschränkt.
Die CD enthält mit knapp einer halben Stunde Score einen Großteil der Musik des Films und zeigt in diesem Rahmen die geschickte Variation des Hauptthemas. Die Musik wirkt etwas leichter und bruchstückhafter als die vergleichbare “Vanity Fair” CD, hat aber dennoch eine Empfehlung verdient. Da Danna diesen stilsicheren Score in wenigen Tagen und auch noch während eines Umzuges komponierte, lässt es für ihn optimistisch in die Zukunft sehen.
Jan Titel / 01.02.07
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