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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Aliens (James Horner)

Varese / 2001

CD

Bewertung:


    1. Main Title (5:11)
    2. Bad Dreams (1:22)
    3. Dark Discovery / Newt’s Horror (2:07)
    4. LV-426 (2:03)
    5. Combat Drop (3:29)
    6. The Complex (1:34)
    7. Athmosphere Station (3:11)
    8. Med.Lab (2:04)
    9. Newt (1:14)
    10. Sub-Level 3 (6:36)
    11. Ripley’s Rescue (3:19)
    12. Face Huggers (4:24)
    13. Futile Escape (8:29)
    14. Newt Is Taken (2:04)
    15. Going after Newt (3:18)
    16. The Queen (1:45)
    17. Bishop’s Countdown (2:50)
    18. Queen to Bishop (2:31)
    19. Resolution and Hyperspace (6:27)
    20. Bad Dreams (alternate) (1:23)
    21. Ripley’s Rescue (percussion only) (3:20)
    22. LV-426 (alternate edit- film version) (1:13)
    23. Combat Drop (percussion only) (3:24)
    24. Hyperspace (alternate ending) (2:08)

    TT: 76 min

„Im Weltall hört dich keiner schreien“ – unter diesem reißerischen Slogan wurde ein Science Fiction-Film aus dem Jahre 1979 beworben. Regisseur Ridley Scott schuf mit „Alien“ einen Klassiker des Science-Fiction-Films. Er kreierte darin eine äußerst spannende Verbindung aus SciFi-und Horrorelementen. Der Film um ein fremdartiges Wesen von einem fremden Planeten, dass nach und nach die Crew eines Raumschiffes dezimiert war so erfolgreich, dass es eigentlich klar war, dass es irgendwann eine Fortsetzung geben würde.  Bis zum heutigen Zeitpunkt sind es sogar 3 Fortsetzungen und ein Sgeworden, und Gerüchte um einen 5. Teil halten sich hartnäckig
Erstaunlicherweise dauerte es dann doch ganze 7 Jahre bis der durch “Terminator” auf einen Schlag weltberühmt gewordene Regisseur James Cameron seine Fassung des Filmes in die Kinos brachte. Er inszeniert den Kampf gegen die Aliens als Krieg, schwerbewaffnete Marines gegen tausende der gruseligen, von H.R. Giger entworfenen Monster. Obwohl der erste Film gerade durch seine klaustrophobische Atmosphäre so spannend war, ist James Cameron ein faszinierender Schocker gelungen, der in einer um 22 Minuten verlängerten “Director’s Cut"- Version noch an Tiefe gewinnt.

“Aliens“ wurde von James Horner vertont, der trotz einer recht erfolgreichen Arbeit an „Star Trek II – Der Zorn des Khan“ immer noch als Newcomer galt. Er löste sich relativ erfolgreich von den musikalischen Vorgaben Jerry Goldsmiths aus dem ersten Teil, und verfolgte eher seine eigenen Stilismen. Als einzige musikalische Referenz zum ersten Teil wird einige Male Goldsmiths „Zeitmotiv“, das eine tickende Uhr auf Holzbläsern imitiert, verwendet. Diese musikalische Loslösung vom ersten Teil macht auch deswegen Sinn, weil das Sequel von Cameron inhaltlich ganz andere Wege geht, und aus der „Alien“-Geschichte einen Actionreißer mit Horrorelementen macht.

Was einem als Kenner der aktuellen Hornerarbeiten natürlich negativ aufstößt, ist, dass Horner selbst hier, in einem seiner Frühwerke schon ausgiebig aus fremden Quellen zitiert, ohne dies zuzugeben. Bereits im Eröffnungstrack erklingt ein Auszug aus Aram Katchathurians Adagio aus dem “Gayaneh Ballet.” Dieses setzte auch schon Stanley Kubrick in seinem filmischen Meilenstein “2001: A Space Odyssey” (1968) ein.
Da Horner dies aber als eine Art Motiv einsetzt, was er hin und wieder geschickt zu variieren weiß, fällt das hier noch nicht so ganz negativ ins Gewicht wie in einigen Arbeiten ab den späten 90er Jahren. Neben einer Ausarbeitung von Ideen, die Horner schon in „Star Trek II“ im Track „Khan’s Pets“ ausprobiert hat, ist „Aliens“ überwiegend eine eigenständige Arbeit.

Der Score besteht aus 3 Arten von Musik: einmal gibt es recht viel Actionmusik, die Maßstäbe für die 80er Jahre setzte. Mit kantigen Blechbläserpassagen und sehr dynamischen Percussion-Passagen (die Percussions von 2 Cues sind auf der Deluxe Edition sogar isoliert vorhanden) schuf Horner einen neuen Standard für die damaligen Actionmusiken. Hervorstechend sind hier besonders die Tracks “Futile Escape”, das über 8 Minuten lang martialische Stimmung verbreitet, und der Track “Bishop’s Countdown”, der danach in zahllosen Trailern für Actionfilme verwendet wurde. Das Schlagwerk gibt in einem stürmischen Accelerando ein Tempo vor, dem die Streicher und Blechbläser folgen. Als überraschendes Ende dieser immer rasanter werdenden Musik erklingt statt den obligatorischen Orchestertutti ein simpler Beckenschlag, der langsam verhallt.

Tracks wie “Med.Lab.”, “Atmosphere Station”, und “Sub-Level 3”, unterlegen die zahlreichen Suspense-Momente des Films geschickt. Alle diese Tracks bestehen aus einem dumpfen Ostinato, dass gelegentlich mit Synthesizergeräuschen und Streichereffekten, die eine unglaubliche Unruhe auslösen, unterlegt wird. “Sub-Level 3” ist das längste dieser Stücke, es hält fast über 6 Minuten die Spannung, die sich ganz plötzlich und deswegen um so schockierender in einem plötzlichen Cluster entlädt. Diese Cues basieren alle auf dem weiter oben erwähnten „Khan’s Pets“ aus „Star Trek II“, sind aber trotz ihrer exzellenten Filmwirkung auf CD eher weniger geeignet um Begeisterung auszulösen, wirken sie doch gerade in der Abfolge über mehrere Tracks etwas monoton.

Außerdem gibt es noch Stücke, die von Anfang an auf Schocks setzen, so z.B. “Queen to Bishop,” das mit einem polyphonen, wie entfesselt spielenden Orchester aufwartet. Hier variiert Horner sehr geschickt Katchaturiams Adagio, in dem er es in eine dissonante Form umarbeitet.

Das Highlight der CD ist der Track “Facehuggers” der auf dem ursprünglichen Release von Varèse nicht enthalten war. Mit sehr metallisch klingenden Streicherglissandis, einem Klavier, das in tiefen Tonlagen gespielt wird und komplexen Percussionarrangements ist dieses Stück das musikalisch ausgereifste und auch eines der spannendsten Stücke auf der CD.  Auch hier wird wieder recht geschickt das Adagio aus der „Gayaneh Ballet Suite“ eingesetzt.

Die Spielzeit der alten Varèse-Ausgabe wurde bei dieser Deluxe Edition nahezu verdoppelt, und dabei sind auch einige Highlights hinzugekommen.
Das CD-Booklet ist informativ und enthält auch einige Infos über die musikalischen Änderungen, die James Cameron ohne sie mit Horner abgestimmt zu haben, im hektischen Endschnitt durchführte. So kam es dazu, dass einige Cues in ganz anderen Filmszenen auftauchten, als in denjenigen für die sie komponiert waren. Manche Cues wurden stattdessen auch einfach mehrmals eingesetzt.
Horner war deshalb ziemlich enttäuscht über die Arbeit an „Aliens“, obwohl er für den Film seine erste Oscarnominierung bekam. Mit dem Engagement für „Titanic“ kam es dann doch wieder zu einer Zusammenarbeit zwischen Horner und James Cameron – mit durchschlagendem Erfolg.

Fazit: Horner beweist hier ein grosses Geschick im Umgang mit dem Orchester, allerdings hat er auch hier schon wieder geklaut und einige Suspensemomente bieten auf der CD zu wenig Abwechslung. Eine Wertung über 4 Sterne scheint mir deshalb nicht möglich. Durch ihr informatives Booklet und einige neu hinzugekommene Highlights ist die Deluxe Edition trotzdem komplett eine runde Sache.

Jan Boltze / 31.01.07

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