Kritiken
Alien Resurrection (John Frizzell)
RCA / 1997
Bewertung:

1997 kam der vierte Teil der erfolgreichen Alien-Reihe in die Kinos. Bereits 1979 etablierte sich Ridley Scott mit diesem hocheffektiven Schocker als Hollywood-Regisseur. Zwei Fortsetzungen gab es bereits- James Cameron nutzte 1986 das Alien-Handlungsgerüst für einen erstklassigen Actionfilm, der sich auch als Allegorie auf den Vietnamkrieg lesen lies, David Fincher versuchte sich 1991/92 unter katastrophalen Produktionsbedingungen (das Drehbuch wurde quasi täglich neu geschrieben, mehrere Regisseure waren bereits gefeuert worden) an einer intelektuelleren Umsetzung des Stoffes. Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass es einen 5. Teil, wieder unter der Regie von Ridley Scott, geben soll. Der dreht jedoch fleißig weiter andere Filmprojekte.
Jean-Pierre Jeunets Film fällt am meisten aus der Reihe. Sein Film ist als eine Art grotesker Slasherfilm mit kaputten Humor inszeniert, was einige Kritiker dann auch gleich dazu brachte, das „Europäische“ an diesem Hollywood-Big-Budget-Projekt zu loben. Das Ergebnis war enttäuschend und reichte nicht an die Klasse der ersten 3 Filme heran. Anstatt Spannung gab es eklige Splatterszenen, überwiegend unsympathische Charaktere, bei denen es einem völlig wurscht war, ob sie überleben und dümmliche Dialoge. Winona Ryder als Roboter „Call“ war zudem ziemlich fehlbesetzt. Einige interessante Drehbuch-Ideen wurden nicht genügend ausgereizt. Zum Beispiel haben die Drehbuchautoren Ripley als Klon wieder auferstehen lassen, da sie ja im dritten Teil starb. Daher auch der Filmtitel „Alien- Die Wiedergeburt.“ Beim Klonen ging etwas schief, und seitdem hat Ripley aufgrund von Alien-Genen einen ziemlich aggressiven Charakter, der in der zweiten Hälfte des Films immer mehr nachlässt, und sie mehr und mehr zur akzeptablen Heldin macht. Positiv zu erwähnen ist immerhin Darius Khondjis brillante Kameraarbeit. Die Bilder des Franzosen sorgen, allen Hindernissen der Inszenierung zum Trotz, für eine spannende Atmosphäre.
So wie alle Filme von anderen Regisseuren gedreht worden sind, so wurde auch jeder Film von einem anderen Komponisten vertont. Nach Jerry Goldsmiths brillantem Score versuchte sich James Horner an dem Thema, und mixte Aram Katschaturiam mit einem Motiv von Goldsmith und viele avantgardistische Passagen zu einem spannenden, teilweise aber auch nicht sehr eigenständigen Score. Teil 3 bedeutete den endgültigen Durchbruch für Elliot Goldenthal, der einen der wichtigsten Score der 90er Jahre für den Sci-Fi-Schocker vorlegte.
Der vierte wurde auch von einem relativen Newcomer vertont. John Frizzell, der vorher zusammen mit James Newton Howard den Vulkan-Ausbruchsfilm „Dante’s Peak“ vertont hatte, wirkte hier zum ersten Mal ganz alleine an einem Projekt dieser Größenordnung mit. Frizzell legt sehr viel Wert auf das Sound-Design. Wenn man Interviews mit ihm liest, merkt man, wie er immer wieder darüber spricht, wie er bestimmte Klänge kreiert hat. Nichtsdestotrotz ist „Alien 4“ ein orchestraler Score, erweitert um Synthesizer-Effekte, aber auch um manuell hergestellte Sounds. So kommt zum Beispiel auch ein Gong, der mit einem Gummi-Reifen überzogen ist, zum Einsatz. Gespielt wird er, in dem man an dem Gummireifen dreht.
Auffällig in Vergleich zu den anderen „Alien“-Scores ist diesmal der sehr hohe melodische Anteil. Es gibt ein richtiges Thema für Ripley, für die tiefen Streicher komponiert. Es drückt sehr gut die Ambivalenz der Protagonistin aus. Romantisch, aber auch sehr düster ausgefallen, hat die Musik etwas unterschwellig Bedrohliches. Frizzell gelingen einige ganz ordentliche Variationen des Themas. Nebenbei gibt es auch noch ein marschähnliches Motiv, das den Aliens zugeordnet werden kann.
In den zahlreichen Schock-Momenten der Musik ist die Musik jedoch sehr schwach- außer schrillen Streichern, hämmernden Percussions und brachial-dissonanten Bläsereinsatzen fällt Frizzell nichts ein, was über gängige Horrorfilmstandards hinausgeht. Stellenweise ist die Musik in diesen Szenen nicht nur routiniert, sondern auch enervierend. Im Film funktioniert dies natürlich gut, um das Publikum angespannt zu halten, von CD haben diese Stellen jedoch keinen großen Wert. Bestes Negativ-Beispiel ist der fast siebenminütige Track „They Swim...“, der zu großen Teilen aus der oben erwähnten Mischung aus Streichern, Bläsern und Pauken besteht. Trotz leichter thematischer Einwürfe und der originellsten Variation von Ripley’s Thema (mit beeindruckendem Tremolo von den Streichern gespielt) ist er nur schwer verdaulich, weil über die meiste Zeit einfach nur lärmend und ideenlos.
In den etwas ruhigeren, spannungserzeugenden Momenten setzt Frizzell viel auf Elektronik, was sicher manchen Hörer missfallen könnte. Im Film funktionieren diese Szenen dann auch ganz gut, von CD bereiten aber auch diese Passagen kein allzu großes Vergnügen.
Fazit: In den melodischen Momenten ganz gut gelungen, ist der Score in den Suspense- und Schockmomenten einfach viel zu simpel gestrickt. Streckenweise ist die Musik nur noch enervierend zu nennen. Sowohl Film als auch Musik muss man nicht kennen.
Jan Boltze / 20.02.07
Um Nutzer-Kommentare zu erstellen, müssen Sie eingeloggt sein. Klicken sie auf Kontrollzentrum, um sich einzuloggen oder einen Account zu erstellen.
Nutzer-Kommentare anzeigen
Zu diesem Beitrag existieren aktuell 0 Nutzer-Kommentare. Letzter Kommentar: - .
» Alle Kommentare anzeigen