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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Alexander (Vangelis)

Sony / 2004

CD

Bewertung:


    1. Introduction (01:31)
    2. Young Alexander (01:36)
    3. Titans (03:59)
    4. The Drums of Gaugamela (05:19)
    5. One Morning at Pella (02:11)
    6. Roxane's Dance (03:25)
    7. Eastern Path (02:58)
    8. Gardens of Delight (05:24)
    9. Roxane's Veil (04:40)
    10. Bagoas' Dance (02:29)
    11. The Charge (01:40)
    12. Preparation (01:42)
    13. Across the Mountains (04:12)
    14. Chant (01:39)
    15. Immortality (03:18)
    16. Dream of Babylon (02:41)
    17. Eternal Alexander (04:37)
    18. Tender Memories (02:59)

    TT: 56

Bis vor wenigen Jahren sah sich Hollywood damit konfrontiert, den Hype nach großformatigen und spektakulär bebilderten Historienabenteuern zu befriedigen. Nach dem großen Erfolg von “Gladiator” und der Neudefinition spektakulärer Massenszenen durch die “Herr der Ringe” Filme sprangen viele Studios mit enormem Finanzvolumen in die Bresche. Das 160-Millionen Dollar Epos “Alexander” von Oliver Stone dürfte diese Hochphase beendet haben, denn nach dem künstlerischen Desaster von “Troy” (Wolfgang Petersen) kurz zuvor stellte sich hier nun auch ein finanzielles ein. Mit 30 Millionen Dollar an den heimischen Kassen floppte der Film gewaltig und zeigte, dass die Marktsättigung für historischen Bombast mehr als erreicht war.
Doch leider wirft dies ein schlechtes Licht auf den Film, den ich eindeutig für den besten dieser Welle halte. Mit grandios inszenierten Schlachten wartete auch er auf, doch den Gepflogenheiten eines Stone folgend war es zudem auch ein charakterbezogenes, politisches Drama, das mit inhaltlicher Tiefe und einem exzellenten Drehbuch glänzt. Der Regisseur erlaubt sich einige gelungene Extravaganzen wie der Infrarotsequenz in Indien und eine nicht massenkonforme Dramaturgie, was aber dem Ergebnis filmisch sehr zuträglich ist.

Oliver Stone sucht den Komponisten seiner Filme immer recht spezifisch aus, besonders die Wahl John Williams’ für die amerikanischen Themen in “JFK” oder “Born On The Fourth Of July” erwies sich als stimmig. Dass er in derselben Manier wie die Besetzung Kitaros für den Vietnamfilm “Heaven And Earth” für das griechisch-mazedonische Epos “Alexander” den gebürtigen Griechen Vangelis engagierte, erscheint merkwürdig konsequent - und aus dramaturgischen Gesichtspunkten schwer nachvollziehbar. Die bisherigen Kinoarbeiten des Griechen ("Blade Runner”, “Chariots Of Fire” oder “1492") ließen ihn für ein kraftvoll-stimmiges Historienepos nicht gerade prädestiniert erscheinen.
So ist denn auch der Score zu “Alexander” ziemlich genau das, was man von Vangelis erwarten sollte, ein recht statisches, synthetisch erzeugtes und durch Percussions und Chor aufgefülltes Klangkonstrukt ohne eine spezifische Dramaturgie oder den Hauch einer musikalischen Entwicklung. Erstaunlich ist, wie weit er sich an seine eigenen Vorbilder anlehnt. Den große Chor und die getragen-düstere Grundstimmung kennt man bereits aus “Mythodea”, ebenso verweist der choral-synthetische Track “Titans” (quasi das Hauptthema der Musik) stark auf das Konzept-Album “Voices”. In gleicher Art und Weise wird ein kurzer motivischer Gedanke mit epischer “Orchestration” immer weiter angefüllt, sodass sich im Ergebnis eine zwar beeindruckende Klangkulisse auftürmt (Chor + Synthesizer + Percussions + geringfügig Orchester), aber von einer Ausarbeitung im sinfonischen Sinne kaum eine Rede mehr sein kann. New-Age-Einflüsse erweisen sich als deutlich stärker, die Tendenz zur reinen akustischen Collage ist extrem hoch. Vergleichbares hat Vangelis mit größerem Erfolg bereits bei “1492” versucht, doch dort setzte er die Instrumente stärker solistisch, den Klang mehr zurückhaltend und kulturhistorische Bezüge prägnanter ein - und nicht zuletzt gelang ihm ein markanter Ohrwurm als Titelthema.

Einflüsse, mit denen Vangelis sein Klangkonzept etwas aufpeppt, sind zum einen die Vokalisen und Percussionsequenzen und zum anderen die Einschübe ethnischer Instrumente, die zum Beispiel in “One Morning At Pella” deutlich zutrage treten. Auch verstärkt sich der Eindruck, dass eher auf eine Weltmusik-New-Age-Collage abgezielt wurde - von dramatischen Wirkungen wie in “The Cell” oder sauberer geographischer Bezüge wie in “Ararat” kann hier keineswegs die Rede sein. So erscheint die Folklore als exotische Dekoration ohne viel Sinn.
Im Filmkontext erweist sich denn auch die Musik als passabel bis störend. Einige Momente, vor allem die Reisen über den Hindukusch und nach Skythien, profitieren etwas von dem epischen Atem, andere wiederum leiden doch merklich unter der eindimensionalen Vertonung. Besonders die Dialogszenen, die Vangelis mit Musik bedachte, stechen negativ hervor.

Was bleibt am Ende? Für Filmmusik-Fans ohne Zweifel kein Highlight und für Fans des Komponisten Vangelis eine sicherlich anhörbare, mit einigen Momenten gespickte, aber doch recht einfallsarme CD. Die Musik kann man somit getrost ignorieren, doch schade ist es vor allem wegen der vergebenen Chancen für eine Musik für “Alexander”.

Jan Titel / 09.03.07

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