[ Sie sind zur Zeit nicht eingeloggt. ] [ Registrieren oder Einloggen im Kontrollzentrum ]

Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

About Schmidt (Rolfe Kent)

New Line / 2003

CD

Bewertung:


    01. The Adventurer (01:38)
    02. Telling Ndugu about the Family (03:39)
    03. About Schmidt (01:29)
    04. Schmidt went to Denver (01:50)
    05. Randall's Room (01:18)
    06. Guiltily escaping the Rusks (01:03)
    07. Helen goes; Schmidt stays (02:46)
    08. Of Life after Helen (02:27)
    09. The Fury of Schmidt (02:31)
    10. Shopping with Schmidt (02:02)
    11. Missing Helen (01:28)
    12. Riverside Prayer (03:10)
    13. Dinner with Randall's Relatives (01:01)
    14. Schmidt revisited his Alma Mater (01:26)
    15. Schmidt at the Wedding (01:37)
    16. Omaha Return (03:06)
    17. Ndugu's Painting (01:05)
    18. What I really want to say (01:31)
    19. The End Credits of About Schmidt (02:24)
    20. Constantine & Warren (01:30)
    Bonus Tracks:
    21. Afrikaan Beat - Bert Kaempfert (02:28)
    22. Dear Ndugu Letter featuring Jack Nicholson (06:19)
    23. Interview with Alexander & Rolfe (15:05)

Für Filmkomponisten sind Komödien oft eine sehr schwere Aufgabe. Deswegen verlassen sich die meisten auf die ausgetretene Pfade: Pizzicato-Streicher und verspielte Holzbläser finden sich in fast jedem Comedy-Score und dabei kommt selten ein gutes Höralbum heraus. Rolfe Kent hat aber genau das bei „About Schmidt“ geschafft- einen Score, der sowohl im Film als auch von CD ausgesprochen gut funktioniert.

„About Schmidt“ basiert auf einem Roman des amerikanischen Schriftsteller Louis Begley, wurde jedoch von Regisseur Alexander Payne („Sideways“) und Drehbuchautor Jim Taylor sehr frei adaptiert. Die Story dreht sich um Warren Schmidt (grandios: Jack Nicholson), der nach seiner Pensionierung mit seinem Leben nichts anzufangen weiß. Als kurz darauf auch noch seine Frau stirbt, ist er völlig hilflos. Doch dann hat er wieder ein Ziel vor Augen- er will seine Tochter überreden, ihren Freund Randall, der ein wasserbettenverkaufender Loser ist, nicht zu heiraten. Mit seinem riesen Wohnmobil, das ihm seine Frau zur Pensionierung geschenkt hatte, macht er sich auf den Weg nach Denver, wo die Hochzeitsvorbereitungen schon im vollen Gange sind.

Pizzicato-Streicher und verspielte Holzbläserläufe gibt es auch hier, aber was Kents Musik so stark macht ist das Vorhandensein guter Themen und der Gebrauch vieler, teilweise auch exotischer Klangfarben. So gehören zu der Besetzung der Partitur auch ein Erhu, ein japanisches Streichinstrument sowie eine Ziehharmonika. Vor allem die Szenen in Denver erhalten durch das Erhu und einem Obertonsänger einen dezenten asiatischen Anstrich.

Schmidts Hauptthema ist eine eingängige Melodie, die mit einem Hauch Melancholie angereichert ist, aber bei Bedarf auch eine gewisse Spleenigkeit ausstrahlt, je nachdem wie das Thema gerade variiert wird. In den traurigeren Momenten des Films wird das Thema oft als schleppende Klavier- oder Harfenmelodie über unbewegtem Moll-Streicherteppich verwendet. Hierbei verfährt der Komponist nach dem Prinzip „Weniger ist Mehr“, denn wo andere Filmkomponisten gelegentlich zum pathetischen Kitsch-Angriff ausholen reduziert Kent in einem Cue die Musik auf ein einziges zwei-töniges Harfenmotiv und fängt damit exzellent Schmidts Einsamkeit musikalisch ein. Von CD funktioniert diese Stelle allerdings nicht so gut wie im Film, wo man an der Stelle emotional wirklich ergriffen ist.
Kent nutzt in mehreren Gelegenheiten auch anderes Material, um Schmidt zu charakterisieren, hat diese Cues dann aber so geschickt aufgebaut, dass dabei eine Verwandschaft zum Hauptthema zu spüren ist. Ein Beispiel dafür sind die kraftvollen Walzer, wie zum Beispiel in „Guiltily Escaping the Rusks“ und „The Fury of Schmidt“, die in einem übertrieben-dramatischen Gestus die entsprechenden Szenen erst richtig witzig machen. Letztgenannter Track erklingt als Schmidt sein eigenes Haus aus Wut über einen entdeckten Seitensprung seiner Frau (mit seinem besten Freund!) verwüstet.
Auch einige der anderen Charaktere haben kleinere Motive, so wird zum Beispiel Randall von einer Tuba mit punktuiertem, aber langsamen Rhythmus charakterisiert, was auf einer musikalischen Ebene hervorragend Schmidts Empfinden über den Verlobten seiner Tochter ausdrückt- Schmidt hält diesen nämlich für einen Volltrottel.

Editorisch gesehen ist diese CD auch empfehlenswert, da sich die Soundtrackproduzenten entschlossen haben ein Interview zwischen Filmregisseur Payne und dem Komponisten mit auf die CD zu packen, welches durchaus anhörenswert ist, und einiges über das Konzept der Musik und Kents Arbeitsweise vermittelt. Weniger wichtig, aber auch eine nette Dreingabe ist der „Letter to Ndugu“ den Jack Nicholson hier vorliest. Normalerweise stören Dialoge auf einer Soundtrack-CD ja, aber hier haben die Produzenten alles richtig gemacht, denn die Musik zu der Szene ist im 2. Cue auch ohne die Dialoge zu hören. Außerdem ist der Text recht witzig und deshalb auch anhörenswert.

Fazit: Eine von wenigen Komödienmusiken, die wirklich anschaffenswert ist, auch wenn die eher traurigen Passagen als Hörerlebnis von CD ein klein wenig im Vergleich abfallen.

Jan Boltze / 31.01.07

Nutzer-Kommentare anzeigen

Zu diesem Beitrag existieren aktuell 0 Nutzer-Kommentare. Letzter Kommentar: - .

» Alle Kommentare anzeigen

Nutzer-Kommentar hinzufügen

Um Nutzer-Kommentare zu erstellen, müssen Sie eingeloggt sein. Klicken sie auf Kontrollzentrum, um sich einzuloggen oder einen Account zu erstellen.