Kritiken
A Summer Story (Georges Delerue)
Virgin / 1988
Bewertung:

Der Film “A Summer Story” von 1988 spielt in England des frühen 20. Jahrhunderts und wurde von Piers Haggard mit James Wilby und Imogen Stubbs in Szene gesetzt. Er behandelt die verbotene Liebesgeschichte zwischen dem Advokaten Mr. Ashton und der jungen Farmerstochter Megan. Ashton befindet sich mit seinem besten Freund auf Wanderschaft in Dartmoor, ehe beide nach einem kleinen Unfall in ein Farmhaus einkehren und dort für ein paar Tage verweilen. Dort verliebt sich, sehr zum Missfallen ihrer Tante und dessen Sohnes, die Tochter Megan in den Anwalt Ashton. Dieser entschließt sich daraufhin, noch ein paar Tage länger zu bleiben, wird jedoch bald von Megans Tante hinausgeworfen. Ashton verspricht zurückzukehren um Megan zu sich zu holen, doch bald begegnet er einem alten Schulfreund, in dessen Schwester er sich verliebt. Seine kurze Sommer-Romanze ist daraufhin schnell vergessen - dass Megan ihn verzweifelt sucht vermag daran nichts zu ändern. Viele Jahre später jedoch entschließt sich Ashton, zu dem alten Farmhaus in Dartmoor zurückzukehren…
Die delikate Filmmusik zu dieser klassischen Geschichte gehört wohl zu den begehrtesten Sammlerstücken eines Delerue-Liebhabers, denn die 1988 von Virgin Rec. herausgegebene CD ist mittlerweile nur noch zu hohen Preisen zu erstehen. Natürlich stellt dies aber kein Hindernis dar, sie in dieser Rezension zu besprechen.
Die gesamte Partitur ist ausgesprochen elegisch. Im Vordergrund stehen Streicher und Holzbläsersoli, ein romantisches, einfühlsames und bezauberndes Hauptthema zieht sich als roter Faden durch die gesamte Musik und hält sie zusammen. Diese Melodie, das Leitmotiv für Megan und Ashton, ein breit ausladendes, langsames Stück in Moll, wird abwechselnd vorgetragen von einer Flöte oder einem Cello, findet ihren Klimax in der Interpretation von großem Streicherapparat, wird im Laufe des Scores allerdings kaum variiert. Dafür ist die Musik reich an weiteren Themen, hiervon besonders erwähnenswert die fröhlichen Stücke „Sheep Sharing“ und „Coming To Town“. Letzteres ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Georges Delerue es schaffen konnte, den Hörer innerhalb kurzer Zeit (hier gerade einmal 32 Sekunden) durch ein bezauberndes melodisches Fragment für sich einzunehmen. Neben diese Melodien stellte der Franzose weitere Motive und Nebenthemen, wie z.B. das zärtliche „Summer Poem“ für Holzbläser und Streicher.
Kompositorisch äußerst schwachbrüstig sind die wenigen kurzen Suspensetracks, für die Delerue sich mit Streichertremoli und Ostinati begnügte, doch diese Stücke fallen kaum ins Gewicht, da sie nur einen kleinen Teil der Spielzeit in Anspruch nehmen, sodass die wenigen derartigen Tracks nicht sonderlich stören. Insgesamt handelt es sich hier um eine thematisch sehr inspirierte, romantische, schwelgerische Filmmusik, die allein schon wegen des einnehmenden Hauptthemas zu überzeugen weiß und dem Hörer noch lange im Ohr bleiben wird.
Mag die Musik oft wenig komplex und kompositorisch recht simpel bleiben, ist es auch hier die atmosphärische Dichte in den zahlreichen Melodien und Motiven durch die elegante Instrumentierung mit diversen Soli der Instrumente, Verzierungen durch Harfenglissandi und entsprechend romantischer Unterstützung der Streicher, welche die Partitur emotional intensiv werden lässt. Sollte man diese CD mit einigen von Delerues feinsten melodischen Einfällen günstig erwerben können: nicht zögern und sofort zugreifen!
Stephan Eicke / 23.04.09
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