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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

800 Balas (Roque Baños)

DRO East West / 2003

CD

Bewertung:


    CD1

    01. La Diligencia (2:10)
    02. Curiosidad or Papa (2:21)
    03. Las Travesuras de Carlos (3:03)
    04. El Spectaculo del Oeste (2:48)
    05. Mi Abuelo Julian (2:46)
    06. Picoleto's March (1:43)
    07. Caballeria triunfal (5:13)
    08. Laura, Ellos no te Quieren (6:03)
    09. Asedio Policial (8:11)
    10. A por Viveres (2:12)
    11. Los Geos (2:10)
    12. La Rendicion (4:49)
    13. Julian y Chellen, El Duelo (4:11)
    14. El Entierro/Marcha Triunfal (3:40)
    15. Wimbelldow (1:01)

    TT: 51 min

    CD2

    01. 800 Balas -- Siniestro Total (04:15)
    02. 5 Forasteros -- Los Hermanos Dalton (02:00)
    03. Howen -- Los Fabulosos Cadillacs (02:29)
    04. Reigentanz -- Schael Sick Brass Band (02:45)
    05. El Bueno, El Feo y EL Malo -- Los Amaya (02:33)
    06. Fiesta -- The Pogues (04:13)
    07. (Ghost) Riders in the Sky -- Lorne Green(02:50)
    08. Ensénale a Dios (Una Cosa O Dios) -- Siniestro Total(03:50)
    09. Polvo en la Garganta -- Los Lobos Negros (02:36)
    10. Voy a Dormir -- Andrés Calamaro (03:00)
    11. Qué hay de Comer? -- Jaime Urrutia (03:14)
    12. Amargo Adios -- Inspector (03:51)
    13. Never Trusted You -- Nuggets (03:29)
    14. Marmitako Western -- Dwomo con Enrique Martinez (03:28)

    TT: 44 min

„800 Bullets“ ist ein spanischer Neowestern mit einer Musik von Roque Banos, der als Mischung aus Krimi, Komödie und Drama konzipiert ist. Der kleine Junge Carlos reist heimlich nach Almeria, um seinen versoffenen Großvater zu besuchen, der dort eine Wildwest-Show leitet. Es dauert nicht lange, da kommt Carlos Mutter, die beschließt, das Grundstück ihres Vaters dem Erdboden gleich zu machen, um dort neue Häuser zu bauen. Das lässt dieser nicht auf sich sitzen und schmiedet einen Racheplan gegen seine eigene Familie.

Bemerkenswert ist diese Musik allein schon wegen der ungewöhnlichen Orchesterbesetzung: neben Streichern, Bläsern, Percussion (Snare Drums, Pauken, Glockenspiel, Schlagzeug, Harfen) gesellen sich Banjos und andere Gitarren, Akkordeon und Synthesizer. Roque Banos komponierte in der Leitmotivtechnik, er schrieb für „800 Balas“ eine kurze, prägnante Melodie, meist von Trompeten brachial interpretiert wird. Der Spanier variiert dieses fanfarenartige, donnernde Thema im Verlauf des gesamten Scores. Dabei erweist sich die Melodie als äußerst wandlungs- und anpassungsfähig, brilliert in den wenigen, romantischen Momenten ebenso wie in den wilden Actiontracks, in denen oft von Streichern das Fundament geschaffen wird, ehe von Bläsern oder Gitarren das Thema gespielt wird, unterstützt von kraftvoller Percussion. Neben dem Hauptthema schuf der Komponist noch mehrere Nebenmotive, welche die Filmmusik noch abwechslungsreicher gestalten, als sie aufgrund der Variationen des Hauptthemas ohnehin schon ist.
In ihren Mickey-Mousing.Momenten erinnert die Musik teils an Jerry Goldsmiths „Looney Tunes- Back In Action“, klingt dabei ebenso frisch und unverbraucht voller Charme und Energie, wobei auch hier das Leitmotiv kongenial variiert wird. Das Thema wird in Streicherpizzicati eingebettet, ehe es derart entfremdet wird, das von der eigentlichen Melodie nur noch Fetzen übrig bleiben.  Roque Banos zauberte hier eine hinreißende Hommage an diverse Musiken zu Westernfilmen, augenzwinkernd verquickt der den Sound der Italowestern eines Ennio Morricone mit der rauen Americana eines Elmer Bernstein. Rhythmische Actionpassagen wechseln sich mit langsameren, einfühlsameren Passagen ab, hervorragend auch die Suspensemomente, in denen Banos Streichertremoli mit krachender Percussion in komplexem Rhythmus mischt und dabei auch oft die Grenzen der Tonalität überschreitet und sich als äußerst experimentierfreudig erweist. Herausgekommen ist eine ungewöhnliche Mischung, eine freche Komposition, wobei besonders angenehm ist, dass sie sich selbst nie richtig ernst zu nehmen scheint wenn Streicher, Banjos und Tuben sich gegenseitig über das Notenblatt jagen. So entstand eine orchestrale Tour de Force, die mächtig Spaß macht und bestens unterhält, ohne jemals banal oder anspruchslos zu klingen sondern mit kompositorischer Komplexität besticht.  Angenehm ist der sparsame Einsatz der Synthesizer, bei dessen Solopassage am Anfang von „Laura, Ellos no te Quieren“ man glaubt, sich in einem trockenen Sandsturm mitten im Wilden Westen zu befinden.

„800 Balas“ ist somit das aufregende Ergebnis, wenn sich „Für eine Handvoll Dollar“ und „The Magnificent Seven“ paaren zu einem eigenständigen, wuchtigen Soundtrack und die einen mitnimmt auf eine spektakuläre musikalische Reise. Die CD ist zudem hervorragend produziert worden, sodass packende Actionpassagen und ruhige Momente ein angenehmes und unterhaltsames Hörerlebnis bilden.  Das CD Label DRO hat die Musik 2003 auf 2 CDs herausgebracht, die erste enthält den originalen Soundtrack, die zweite Songs aus dem Film.

Stephan Eicke / 13.01.09

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