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Kritiken

3:10 To Yuma (Marco Beltrami)

Lions Gate iTunes / 2007

CD

Bewertung:


    01. Main Title (01:07)
    02. Ben takes the Stage / Dan's Burden (05:45)
    03. Man of his Word (00:59)
    04. Bisbygliando (01:23)
    05. Barn Burn (02:02)
    06. Chinatown (01:39)
    07. Indian Grounds (02:50)
    08. Chinese Democracy (02:51)
    09. One for the Road / Storm Clouds (04:12)
    10. Trial by Fire (01:58)
    11. Flight of the Princess (01:59)
    12. Ben there done that (01:36)
    13. Gang Arrives (01:52)
    14. Ben Arrested (04:00)
    15. It's Time (01:02)
    16. Hotel (00:41)
    17. One Man Left (03:07)
    18. William Escapes (01:45)
    19. Bible Study (02:35)
    20. Who let the Cows out? (01:32)
    21. The 3:10 to Yuma (02:07)

    TT: 47 min

Lange Zeit schien es, dass das Talent von Marco Beltrami in dem Korsett der Horrorfilme gefangen bleiben sollte. Bis in das frühe 21. Jahrhundert komponierte er einen Schocker nach dem anderen und die gelegentlichen Ausflüge in andere Genres, wie “Minus Man” oder “Angel Eyes”, wurden von Hollywoods Produzenten geflissentlich ignoriert. Es war ein Fantasyfilm, der alles änderte: mit seinem groß angelegten Score zu “Hellboy” geriet der Amerikaner italienischer und griechischer Abstammung in das Licht des Mainstreams und vertonte in der Folge Actionfilme ("Live Free or Die Hard"), Thriller oder weiterhin Horrorfilme wie “Red Eye”.
2005 vertonte er den Film “The Three Burials Of Melquiades Estrada” von Tommy Lee Jones, einem Drama mit einigen Westernelementen. Kaum war dieser als Erfolg bei den Kritikern erkannt worden und Beltramis sparsamer, unprätentiöser Score zusammen mit den sorgfältig ausgewählten Songs als geschickt stimmungsbildend identifiziert wurde, zeichnete sich eine Fortsetzung im Westergenre ab. Zwar weiterhin mit verschiedenen Standbeinen gesegnet, bearbeitete Beltrami mit dem aktuellen “3:10 to Yuma” erneut eine Wiederbelebung des ewig totgesagten Genres. Im fatalistischen Streifen von Regisseur James Mangold ("Walk The Line") liefern sich Russell Crowe und Christian Bale ein raues Duell um Recht und Gerechtigkeit auf einem Gefangenentransport.

Für “Three Burials ...” präsentierte uns Beltrami ein entschlacktes, auf wenige Elemente wie Streichquartett, Gitarren und Rhythmusinstrumente reduziertes Klangbild und schuf damit eine introspektive und ökonomische Musik. “3:10 to Yuma” ist ebenso wenig ein Hurra-Western, deshalb schlägt der Komponist für diesen Score in eine ähnliche Kerbe - aber härter und mit mehr Präzision, um bei diesem Bild zu bleiben. Ebenso sind die verschiedensten Zupfinstrumente Basis für die Musik, als Begleitung kommt aber durchaus mehr orchestrales zu Hören als beim Vorgänger. Beltrami nutzt die Gitarren, Mandolinen und Banjos, um der Musik ihren Grundrhythmus, ihren Pulsschlag zu geben und verfremdet ihre Klänge zum Teil synthetisch. Zupfinstrumente können Melodie und Rhythmus zugleich sein und dies macht sich Beltrami stark zunutze und entwickelt diesen Gedanken orchestral weiter. Vornehmlich der Streicherapparat nimmt die Vorlagen der Gitarren auf und setzt sie mit präzise gespielten, rhythmischen Läufen fort. Im Großteil der Musik drängen sich die beiden Elemente gegenseitig voran, Arrangements werden mit zusätzlichen Rhythmusgebern wie Pauken, leichten synthetischen Drums und akustischen Instrumenten wie Waterdrum, Siouxdrums oder Rattle gesteigert. Die Wirkung ist enorm kraftvoll, gerade die Actionpassagen bekommen durch die kompromisslos rhythmische Struktur der Musik ernomen Zug.
In den ruhigeren Stellen des Films alteriert Beltrami die Rollenverteilung. Mal sind es die Gitarren und Rhythmusgruppen, die einen Kontrast zu einer ausladenden Streicherlinie bilden und mal arbeiten die Zupfinstrumente mehr melodisch. Der große thematische Gedanke wird dabei vermieden, obgleich es in den verschiedenen Motivpartikeln durchauch wiederkehrendes gibt. Besonders den geschlossenen, ohne Ausschmückungen vorgetragenen Streichersatz wird man an mehreren Stellen der Musik wieder erkennen. Ingesamt sind die verhalteneren Abschnitte der Musik ebenso kompetent gearbeitet und mit großem Können ökonomisch orchestriert, doch zuweilen stellt sich hier etwas Wiederholung ein. Die Variationsmöglichkeiten werden zwar genutzt, doch sie sind für eine dreiviertel Stunde zu gering. Durch geeignete Kürzungen um 10 Minuten lässt sich der Gesamteindruck spürbar verbessern, zumal die ernergiegeladenen Ausbrüche zur Auflockerung beitragen und mitreißend gestaltet sind.

Eigentliches Highlight der Musik ist ein Kunstgriff, den Beltrami früh andeutet und erst spät enthüllt. Im Finale gesellt sich zu den vorgestellten Instrumenten eine einzelne Trompete und erlaubt doch noch eine Referenz auf klassische Westernmusiken. Angelehnt an das Finale von “The Good, The Bad and The Ugly” toppt Beltrami sein energiegeladenes, rhythmisches Arrangement in “Bible Study” mit einem kurzen, schnittigen Trompetenthema und zeigt damit virtuos, unter welchem Umständen man Klischees trotz Hommage umgehen kann. Das Solo ist eine gelungene Pointe, die im Kontext der Musik ebenso stimmig wirkt wie im Gesamtgenre Western.

Fazit: Beltrami hat gezeigt, dass er auch das Westerngenre kreativ ausfüllen kann. Solange dies wie hier gezeigt sogar deutlich höheren Standard hat als Ausflüge in das Actiongenre wie “Die Hard”, können wir über ein neues potenzielles “Schubladengenre” noch eher froh sein als missmutig. In seinen besten Momenten erreicht der Score zu “3:10 to Yuma” locker die 4,5-Sterne-Marke, in Anbetracht der leichten Längen erscheinen mir 4 dicke Sterne als angemessen.

Jan Zwilling / 29.10.07

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