Komponisten
James Newton Howard
James Newton Howard wurde in den neunziger Jahren zu einem der angesehensten Filmkomponisten in Hollywood und erarbeitete sich den Ruf eines verlässlichen, soliden und vor allem konstanten Tonsetzers, der in vielen Genres zuhause war. In jüngster Zeit bekam dieses Bild kleinere Risse, dennoch gilt Howard auch heute noch als einer der etablierten und bemerkenswerten Musikschaffenden der Traumfabrik.
Seine musikalische Karriere begann bereits im Jahr 1953, als er im Alter von gerade einmal zwei Jahren auf dem häuslichen Klavier erste Erfahrungen mit dem Instrument sammelte. In seiner Kindheit und Jugend war er beständig klassischer Musik ausgesetzt, einen großen Einfluss hatte seine Großmutter, die über Jahre hinweg erste Geigerin beim Pittsburgh Symphony Orchestra war und James häufig mit in die Konzerte nahm. Mit vier Jahren begannen seine privaten Klavierstunden und eine musikalische Laufbahn schien vorgezeichnet. Den Kontakt zur klassischen Musik hat er seitdem nicht verloren und er bezeichnet die enge Freundschaft mit seiner Großmutter als die bedeutendste musikalische Ausbildung, die er jemals erhalten hat.
Zu Schulzeiten galt James Newton Howard als Riesentalent am Klavier, interessierte sich neben klassischer Musik aber auch für Rock, Jazz und Pop. Seine Jugendzeit waren die Schaffensperioden von Größen wie den Beatles, The Doors oder auch Led Zeppelin, die Howard als die Türöffner in eine völlig neue musikalische Welt verstand. Bis heute ist seine Karriere von diesem Nebeneinaner von sinfonischer und Popmusik gekennzeichnet. In einem Interview gibt Howard an, sogar schon zu Jugendzeiten intensiv Filmmusik gehört zu haben. Scores von Alex North, Jerry Goldsmith oder dem allseits beliebten Henry Mancini gehörten zu den Favoriten der 60er und 70er Jahre. Als Howard im Alter von 18 Jahren die High School abschloss und in Kalifornien auf die Music Acadamy of the West (Santa Barbara) ging, hatte er bereits soviel Musik intus, dass er vielen Mitschülern einen Vorsprung vorraus hatte. An der Academy studierte er hauptsächlich Klavier, belegte aber später auch Kurse in Harmonielehre und Orchestration.
Den Fuß in die Welt der Musik bekam er Anfang der 70er Jahre über die Popschiene. Er konnte sich zwar in der klassischen Musik verlieren, aber er selbst sah sich in der Zeit nicht als Konzertpianist oder ernster Komponist. Seine Beeinflussung durch die Beatles oder Cream erwies sich als stärker und so begann er, in verschiedenen Formationen Keyboards und Synthesizer zu spielen. 1974 produzierte er ein Soloalbum, für dass er den Namenszusatz “Newton” annahm, um Verwechslungen mit James Howard aus dem Weg zu gehen. Die Musik spiegelte vor allem seine Faszination für den Synthesizer wieder. 1975 bekam er ein Engagement für die Band von Elton John, sein bis dato größter Erfolg und eine bis heute reichende musikalische Partnerschaft. Sie produzierten an die zehn Alben zusammen und die orchestralen Arrangements für die Konzerttourneen brachten Howard dem klassischen Arrangieren wieder näher. In seiner langen Karriere als Arrangeur betreute er Alben von Größen wie Neil Diamond, Eric Clapton, Randy Newman, Barbra Streisand und Earth, Wind & Fire.
1983 bekam er über seine Expertise im Bereich Synthesizer in Kontakt mit der Filmmusik. Jerry Goldsmith beauftragte ihn, für “Twilight Zone” Keyboard-Parts auf neuen Yamaha-Boards einzuspielen. Endgültig angekommen in der Welt des Films war er 1986, als er die Schauspielerin Rosanna Arquette heiratete und sofort zwei ihrer Filme vertonte. In den späten 80ern folgten kleine Projekte wie “Promised Land” oder “The Package”, die noch stark auf die Keyboard-Arrangements seiner Poplaufbahn hindeuteten. Der große Durchbruch kam 1990 mit dem Engagement für das Julia-Roberts-Vehikel “Pretty Woman”. Auf einen Schlag war Howard bekannt in der Filmwelt und größere Aufträge kamen ins Haus. Er komponierte Musik für “Flatliners”, “Falling Down”, “Dying Young” und “The Client”. Eine Oscarnominierung bekam er bereits für “The Prince Of Tides” (1991), was sein Image als Komponist für romantische Stoffe verstärkte. Erst mit “Alive” und vor allem “Wyatt Earp” und “The Fugitive” konnter er dieses Image abstreifen und etablierte sich als vielseitig versierter Komponist. Zu seinen größten Erfolgen in den neunziger Jahren zählen “Waterworld”, “The Devil’s Advocate” und “Snow Falling On Cedars”, seinem bisher besten Score. Zu seinen langjährigen Partnerschaften zählen die Arbeiten für Filme der Regisseure Frank Marshall, Lawrence Kasdan und Taylor Hackford. Seine für die jüngere Zeit bedeutendste musikalische Kooperation begann 199 mit dem Film “The Sixth Sense” für M. Night Shyamalan, für den er bisher alle Filme betreute. Damit war Howard entgültig in der ersten Liga der Filmkomponisten angekommen und konnte seinen Ruf mit vielen fantasievollen Disney-Projekten wie “Dinosaur” und dem Mega-Blockbuster “King Kong” verteidigen.
In den letzten Jahren entwickelte sich Howard zum enorm beliebten und gut bezahlten Komponisten, sein musikalischer Output stagnierte aber leider etwas in Hinblick auf die Qualität. Quantitäten waren enorm und dies führte zu einem Überhandnehmen von durchschnittlichen Filmvertonungen, die nicht an seine besten Arbeiten heranreichten. Nichtsdestotrotz bleibt Howard erfolgreich und konnte 2008 seine siebte Oscarnominierung für “Michael Clayton” verbuchen.
Jan Titel / 11.02.08