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Komponisten

Georges Delerue

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Viele nennen ihn den „König der Melodiker“ und als solcher erfreut sich Komponist Georges Delerue vor allem bei älteren Filmmusikhörern großer Beliebtheit.

Geboren wurde der Franzose am 12. März 1925 in Roubaix, nahm dort als kleiner Junge bereits Klarinetten- sowie Klavierunterricht und belegte bald auch Kurse in Musiktheorie. Ein schweres Schicksal ereilte ihn im Alter von 16 Jahren: beruflich sollte er die Feilenfabrik seines Vaters übernehmen, wo er bereits als Jugendlicher aushalf. Dort hatte er jedoch einen schweren Unfall, wodurch seine Wirbelsäule stark verkrümmt wurde und er deshalb mehrere Monate im Krankenhaus verbringen musste. Durch diesen Umstand ging Georges Delerue sein Leben lang etwas gekrümmt, sein Wachstum wurde unterbunden und körperlicher Arbeit konnte er kaum mehr nachgehen. So entschloss er sich, sein Hobby zum Beruf zu machen.
1945 erhielt er bereits mehrere Preise für Klavier- und Kammermusik, Harmonie und Musikgeschichte in Roubaix, wo er seine Studien abschloss, ehe er mit dem zeitgenössischen Komponisten Darius Milhaud bekannt wurde, von dem er am Pariser Konservatorium in Komposition, Harmonie und Kontrapunkt unterrichtet wurde.

Nach den Studien war die erste Anlaufstation für Delerue das Theater, wo er 1948 seine erste Bühenmusik für „Dantons Tod“ schrieb. 1951 wurde er Dirigent des französischen Rundfunkorchesters, bekam dort bald Kontakt zum Film und schrieb Anfang der 50er Jahre bereits mehrere Musiken für Kurz- und Dokumentarfilme, ehe er den Regisseur Alain Resnais traf, für dessen Film „Hiroshima Mon Amour“ er 1959 einen Walzer komponierte. Die „Nouvelle Vague“ wurde auf ihn aufmerksam und damit auch der Regisseur Francois Truffaut, für den Delerue im Laufe seiner Karriere 11 Filmmusiken schrieb und mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Die wohl bekannteste Zusammenarbeit der beiden dürfte der Film „Jules und Jim” von 1961 sein. Für Jean-Luc Godards “Le Mépris” (deutscher Titel: “Die Verachtung") komponierte Delerue 1963 seinen Klassiker „Theme de Camille“- ein bis heute sehr beliebtes, vor Leidenschaft glühendes Musikstück.

Es folgten Aufträge aus Amerika, wo er 1979 den Film „A Little Romance“ vertonte und einen Oscar für diese Arbeit verliehen bekam- nicht unbedingt gerechtfertigt, da sich Delerue in seiner Filmmusik teils stark an Vivaldi anlehnte. Das beschwingte Hauptthema trägt jedoch eindeutig die Handschrift des Franzosen. Von 1980 bis zu seinem Tod pendelte Delerue ständig zwischen den Staaten und Frankreich hin und her, arbeitete für Oliver Stone ("Platoon"), Francois Truffaut ("La Femme d’à Côté"), Bruce Beresford ("Crimes of the Heart"), Philippe de Broca ("Chouans!"), George Cukor ("Rich and Famous") oder Fred Zinnemann ("Day of the Jackal").
Seine letzte Filmmusik entstand 1992 mit „Rich in Love“, ein Familiendrama mit Albert Finney. Kurz nachdem er den letzten Takt seiner schwelgerischen Musik dirigiert hatte, brach Delerue im Studio zusammen und starb wenige Tage später im Krankenhaus an den Folgen dieses Schlaganfalls. Er hinterließ seine Frau Colette, zwei Töchter, über 200 Film-, mehrere Kammermusiken sowie verschiedene Beiträge zu Dokumentationen und Theaterstücken. Die Lebensfreude, positive Energie, Freundlichkeit Delerues wird in seiner Musik ewig weiterleben.

Bis heute ist der unnachahmliche Stil Delerues oft kopiert worden (zuletzt wohl in „The Other Boleyn Girl“ von Paul Cantelon), doch nie hat ein Komponist die gleiche Wärme, Menschlichkeit und Liebe in Töne fassen können wie der kleine große Franzose. Dabei ist das Rezept für Delerue’sche Themen recht simpel: oft gibt es einen Streicherteppich, darüber spielen Holzbläser, Klavier oder Akkordeon ihre verträumten, romantischen und verzaubernden Melodien. Doch beschränken sollte man Delerue darauf nicht und doch dürfte seine Vielseitigkeit nur denjenigen bekannt sein, die sich gut mit seinem Werk auskennen. Mittelalterliche, barocke Musik schrieb er für Historiendramen wie „A Walk With Love And Death“ oder „Anne Of The Thousand Days“ (wofür er eine Oscar- Nominierung erhielt), setzte dafür auf authentische Instrumente wie z.B. das Cembalo, Lauten oder Krummhörner, schrieb Tänze und Fanfaren, die auf seinen musikhistorischen Studien beruhen.
Für den Film „L’Important c’es d’Aimer“ ("Nachtblende") komponierte er stark dissonante Musik, verzichtete vollständig auf einschmeichelnde Melodien und konfrontiert den Hörer mit brutalen Streicherpizzicati, einem makaber anmutenden Motiv für Trompete, teils wilder Perkussion und atonalen Clustern für Streicher. Auch in seinen Konzertwerken überschreitet Delerue oft weit die Grenze der Tonalität. Seine Musik für den Film „Calmos“ wiederum besteht aus reiner Jazzmusik, wo sogar bestimmte Teile lediglich improvisiert wurden.

Im November 2008 erschien bei Universal France eine Box mit 6 CDs und ausführlichem Begleitbuch, in dem unter anderem Howard Shore und Bernardo Bertolucci zu Wort kommen und sich mit Delerues Werk und Wirken auseinandersetzen.  Als Einstieg in die Welt des Georges Delerue sei jedoch der 2 CD Sampler von Varèse Sarabande „Great Composers“ empfohlen.

Stephan Eicke / 23.04.09