Komponisten
Franz Waxman
Jahrzehnte hielt der Deutsche Franz Waxman einen Rekord in der Musikszene Hollywoods, der ihm erst durch Alan Menken und in diesem Jahre Gustavo Santaolalla genommen wurde. Zweimal in Folge gewann er den Oscar für die beste Originalmusik, 1950 für “Sunset Boulevard” und 1951 für “A Place In The Sun”. Dies war der Höhepunkt einer eindrucksvollen Karriere, die vom Beginn im Deutschland der 20er Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1967 durch eine bemerkenswert konstante Qualität einzigartig ist.
Geboren wurde Waxman am Weihnachtsabend 1906 als Franz Wachsmann in Schlesien, damals ein Teil des deutschen Reiches. Schnell erkannte der junge Wachsmann, dass die Musik seine Passion war und entschied sich gegen den Willen seines Vaters für eine musikalische Ausbildung in Berlin. Im Schmelztiegel der pulsierenden Metropole der 20er Jahre konnte er sich frei entfalten und knüpfte Kontakte, die für seine spätere Karriere von entscheidender Bedeutung waren. Es scheint seinem ernsten und tiefgründigen Erscheinungsbild und Wesen widersprochen haben, doch Wachsmann profilierte sich früh im Genre des Jazz - als Pianist und Arrangeur für die “Weintraub Syncopators”. Mitten im wilden Leben Berlins machte ein Ausnahmetalent genau das was er am besten konnte: ohne geistige Beschränkungen Musik zu formen. Diese Einstellung hat ihn noch spät für die Öffnung des traditionell-sinfonischen Apparates für ethnische, kulturelle oder elektronische Einflüsse geprägt und ihn zu einem der innovativsten Komponisten in Hollywood gemacht.
Zum Film kam er über die Orchestrierung von Musicals und vor allem durch Friedrich Hollaender. Der Komponist holte ihn zum Film und ließ ihn an legendären Filmen wie “Der Blaue Engel” mitarbeiten. Mit “Liliom” von Fritz Lang unterlegte Wachsmann 1934 seinen ersten Film mit einer komplett eigenkomponierten Musik und landete sogleich einen Volltreffer. Die Musik wurde bejubelt und sorgte dafür, dass er ein Jahr später einen weiteren Meilenstein in seiner Karriere nahm. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten zwang ihn und seine Familie zur Auswanderung und mit einer Zwischenstation in Frankreich (wo er kurz mit Billy Wilder zusammenarbeitete) kam er nach Los Angeles. Dort bekam er von Regisseur James Whale einen Auftrag, weil diesen ebenjene “Liliom"-Musik beeindruckt hatte. “The Bride Of Frankenstein” wurde ein Einstand sondergleichen und katapultierte Wachsmann, der sich fortan Franz Waxman nannte, in die A-Liga der Komponisten und an die Spitze der Musikabteilung der Universal Studios. Der Rest ist Geschichte.
Fortan schuf Waxman Filmmusik auf höchstem Niveau. Wichtige Stationen waren die Engagements von Alfred Hitchcock ("Rebecca") und die Lösung vom Studiosystem. Nach Jahren der Festanstellung bei Universal und Warner begann Waxman 1947 frei zu arbeiten und war einer der ersten Komponisten, die eine solch stetige Klasse vorzuweisen hatten, damit nicht Schiffbruch zu erleiden. Er komponierte Musiken wie “Objective Burma!” und “Mr. Skeffington”, ehe er um 1950 den Siegeszug bei den Oscars schaffte. Schon hier zeigte sich die große musikalische Flexibilität Waxmans, der problemlos Avantgarde mit Walzer, Sinfonik mit Jazz und Stimmen mit ethnischen Klängen mischen konnte.
Besonders eindrucksvoll gelang ihm dies bei seinen Historienfilmen, für die er eine moderne, sparsame und dennoch mit blühenden melodischen Fragmenten versehenene Klanglandschaft schuf. “The Story Of Ruth”, “The Silver Chalice” und “Demetrius and The Gladiators” (alle 1954 bis 60) ebneten den Weg für einen Alex North, dessen Job bei “Cleopatra” Waxman fast bekommen hätte. Doch auch für die traditionelleren Hörer hatte Waxman viel zu bieten. Opulente sinfonische Gemälde sind “Prince Valiant”, “Cimarron” oder “Taras Bulba”, hier zeigt sich der häufige Bezug zu Vertonungsweisen von Richard Strauss oder Igor Strawinsky besonders deutlich.
Im Jahr 1967 starb Waxman viel zu früh an Krebs, er hinterließ eins der konsistentesten Gesamtwerke aller Komponisten für den Film und darf ohne Zweifel zu den ganz Großen des Golden Age gezählt werden. Sein Sohn John Waxman ist ein bedeutender Musikhistoriker und setzt sich für die Erhaltung des Werkes seines Vaters ein.
Jan Titel / 25.04.07