Komponisten
Elmer Bernstein
Als Elmer Bernstein am 18. August 2004 verstarb, war der 82jährige New Yorker einer der dienstältesten Komponisten Hollywoods. Die Internet Movie Database datiert seinen ersten Credit als Komponisten auf das Jahr 1951. Seit damals hat Bernstein über 200 Filmmusiken geschrieben, darunter Klassiker wie „The Man with the Golden Arm“, vermutlich die erste Filmmusik, die Elemente der Jazzmusik enthielt, sowie den Prototyp des Americana-Western-Scores – „The Magnificent Seven“, mittlerweile in unzähligen Zigarettenwerbespots rauf und runter zitiert.
Bernstein wurde am 4. April 1922 geboren und galt schon als Kind als ein Mensch mit einem ausgeprägten Interesse an Kunst. Im Alter von 12 Jahren begann er sich intensiv mit Musik auseinanderzusetzen und lernte Klavier spielen. Er wollte den beruflichen Weg eines Konzertpianisten einschlagen und seine Klavierlehrerin stellte den jungen Bernstein aufgrund seines Improvisationstalents dem Komponisten Aaron Copland vor. Bei dessen Schüler erhielt der junge Musiker schließlich Kompositionsunterricht.
In der Army – seine Jugend fiel zu größeren Teilen in die Zeit den zweiten Weltkrieges - ist Bernstein als Arrangeur für den Soldatenrundfunk eingeteilt und arbeitet dort unten anderem für Glenn Miller. Wenig später blieb es dann nicht bei Arrangements, er begann stattdessen auch Stücke für das Radio zu komponieren. Nach dem Krieg musste sich Bernstein dann allerdings eine Zeit lang als Pianist durchschlagen, bevor er über einem Auftrag im Radio schließlich beim Film landete. Nach einigen kleineren Streifen konnte Bernstein schließlich im Jahr 1956 den begehrten Auftrag an Land ziehen, für Cecil B. DeMille „The Ten Commandments“ zu vertonen. Ursprünglich sollte der Film von Victor Young vertont werden, dieser verstarb jedoch vorher. DeMille war von Bernsteins Musik zu dem Film „The View from Pompey’s Head“ beeindruckt, aber auch ein bisschen skeptisch, ob dieser Unbekannte der richtige für so eine gigantische Produktion war. Bernstein durfte eine Sequenz testhalber vertonen und ergatterte damit den Job, ohne einen wirklichen Vertrag zu bekommen und arbeitete auf Wochenlohnbasis über fast ein Jahr an dem Film.
Bevor dieser in die Kinos kam, schrieb er auch noch „The Man with the Golden Arm“ und ergatterte dafür eine Oscarnominierung. Mit dem massiven Einsatz von Jazzelementen hatte Bernstein für reichlich Aufmerksamkeit gesorgt. Mit „The Magnificent Seven“ im Jahre 1960 festigte Bernstein dann seinen Ruf als einen der wichtigsten Komponisten des ausklingenden Golden Age. Weitere wichtige Scores aus dieser Zeit sind „The Great Escape“, „To Kill A Mockingbird“ oder „Hawaii“. In den 70er und 80er Jahren erlebt der Komponist wie viele Kollegen seiner Generation den Umbruch des Studiosystems und dessen künstlerischen Auswirkungen und ist gefordert, sich den neuen stilistischen Vorlieben anzupassen. Bernstein schaffte dies, indem er sich ein bisschen in die Komödienschublade stecken ließ - eine seiner wichtigsten Musiken aus dieser Zeit, „Ghostbusters“, wurde erst vor kurzem im Varèse CD Club veröffentlicht und war innerhalb allerkürzester Zeit ausverkauft. Ebenfalls in den 80er Jahren begann Bernstein seine Zusammenarbeit mit Martin Scorsese. Der Regisseur aus der „New Hollywood“-Ära war zwar bekannt dafür, in vielen seiner Filme nur Songscores einzusetzen, aber wenn er mal orchestrale Musik benötigte, wendete er sich häufiger an Bernstein, zum Beispiel bei „The Age of Innocence“ oder „Bringing out the Dead“. Bei dem 100 Millionen $ teuren Epos „Gangs Of New York“ war Elmer Bernstein zuerst auch mit an Bord. Dann wurde seine Musik jedoch gegen einen Songscore und Teile eines Konzertwerks von Howard Shore eingetauscht.
Bernstein war insgesamt 11 mal für den Oscar nominiert, unter anderem auch für seine letzte Filmmusik „Far from Heaven“ aus dem Jahr 2002. Gewonnen hat er den begehrten Filmpreis allerdings nur 1968 für seine Partitur zu „Thoroughly Modern Millie.“
Jan Boltze / 07.08.08