Komponisten
Bruce Broughton
Immer wieder kommt es vor, dass große Karrieren begonnen werden und dann mit der Zeit im Sande verlaufen. So war Basil Poledouris fast 10 Jahre lang quasi komplett aus den Kinos verschwunden, obwohl er um die 90er-Wende einige bemerkenswerte Musiken geschrieben hatte. Ein ähnliches Schicksal erlitt Bruce Broughton, der nach großem Beginn in den der achtziger Jahren heute nur noch TV-Produktionen schreibt - und dennoch einer der vitalsten Komponisten seiner Generation bleibt. Aber ist es wirklich ein Streich des Schicksals, das ihn aus dem Kinosaal verbannt hat oder war es sogar seine eigene Entscheidung?
Doch bleiben wir zuerst bei den Fakten: Bruce Broughton wurde am 8. März 1945 in Los Angeles geboren und konnte sich schon frühzeitig mit der Komposition für amerikanische TV-Serien etablieren. In den 60er und 70er Jahren unterlegte er erfolgreiche Serien wie Gunsmoke, Hawaii Five-0 und Dallas mit seinen Themen. Nach vielen TV-Engagements durfte er sich im Jahre 1984 erstmals an einer Kinoproduktion versuchen, “The Ice Pirates”, einer spassigen Sci-Fi-Odyssee. Schon ein Jahr später schaffte er seinen großen Durchbruch mit dem Western “Silverado”, wurde für den Oscar nominiert und erhielt daraufhin viele A-Aufträge aus Hollywood. Noch im gleichen Jahr komponierte er mit “Young Sherlock Holmes” seinen vielleicht besten Score. Im Folgenden war er etabliert als Komponist für Komödien ("Harry and The Hendersons”, “Rescuers Down Under” uvm.) als auch dramatischer Stoffe, z.B. dem Western “Tombstone”, dem düsteren Thriller “Narrow Margin” oder dem Science Fiction-Film “Lost In Space”. Doch nebenbei komponierte er weiterhin häufig für das Fernsehen - “Warm Springs”, “Eloise at Christmastime”, “O Pioneers!” oder “Dallas” sind seine bekanntesten Arbeiten für die Mattscheibe. Als Gewinner von 10 Emmys für seine Fernsehmusiken kann er sich als Rekordhalter und erfolgreichster TV-Komponist in den USA bezeichnen.
Neben seinen Kompositionen für das bewegte Bild widmet sich Broughton auch dem Konzertsaal und gilt als anerkannter Komponist. Seine Werke sind oft ausgefallen besetzt, so schrieb er zum Beispiel ein “Cartoon Concerto” für Piccolo-Flöte, ein Tuba-Konzert und mehrere Blechbläserwerke.
Das Markenzeichen von Broughton ist und bleibt eine prägnante Thematik und der unstillbare Durst nach ausgefeilter, reichhaltiger und brillanter Orchestrationsarbeit. Über die Jahre hat er sich bis heute bestehende Partnerschaften aufgebaut, wie etwa mit dem Label Intrada (wo er auch als Dirgent dreier Neueinspielungen aktiv war) oder mit dem Sessionorchester Sinfonia Of London, wo auch seine Frau Belinda Broughton als Violonistin aktiv ist.
Im Kino wird man Bruce Broughton wohl auf absehbare Zeit nicht mehr wiedersehen, doch so ganz scheint die Mär von der Erfolgslosigkeit nicht zu passen. Der Amerikaner scheint sich vielmehr in dem was er jetzt tut sehr wohl zu fühlen und der Erfolg gibt ihm recht. Und dem Filmmusikfans beschert das so kleine Leckerbissen wie die herzliche Komposition zur Videopremiere “Bambi 2”.
Jan Titel / 31.01.07