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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Komponisten

Alexandre Desplat

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Fragt man nach den aufgehenden Sternen am Komponistenhimmel in Hollywood, so bekommt man immer häufiger europäische Namen als Antwort. Man kann es in der Tradition der großen Namen des Golden Age sehen, die aus Europa neue Impulse für die Traumfabrik lieferten, aber genau genommen liegt der Fall anders. Komponisten wie Javier Navarrete, Alberto Iglesias oder Alexandre Desplat kommen mit einem fundierten filmkompositorischem Hintergrund, Erfahrung und einem augenscheinlichen Personalstil nach Los Angeles und sind deshalb in der Lage, sich dort gezielt künstlerisch wertvolle Projekte herauszusuchen und ihren Stil zu pflegen. Anders als bei Waxman, Rozsa und Co. bleiben die neuen Europäer aber noch deutlich außerhalb des Hollywood-Mainstreams, aber was nicht ist kann ja noch werden.

Für den Franzosen Desplat, den viele als die vielversprechendste Neuentdeckung Hollywoods dieses Jahrtausends ansehen, begann der Siegeszug um die Welt im Jahr 2003 mit der Musik zu Peter Webbers Historiendrama “Das Mädchen mit dem Perlenohrring”. Doch von Newcomer zu sprechen, wäre vermessen, denn bis dato war Desplat fünfzehn Jahre im Filmgeschäft und hatte weit über fünfzig Filme in Frankreich und England vertont.
Desplat wurde 1961 in Paris geboren und begann nach seiner schulischen Ausbildung der Leidenschaft der Musik zu folgen und studierte am Conservatoire in Paris Flöte und Komposition, später folgte ein Orchestrationsstudium in Los Angeles. Schon früh begeisterte er sich für Filme und deren Filmmusik. 1983 vertonte er unter Mithilfe vieler Mitstudenten den Kurzfilm eines Freundes mit einem pompösen und ausgefallenen Orchsterstück, das seine Visitenkarte für die Filmwelt wurde. 1985 untermalte er mit Robert Guédiguians Komödie “Ki lo sa?” seinen ersten Langfilm und hat seither ein Fuß in der Tür des französischen Films. Wie er im Interview mit Original Score erklärte, war seine es Begeisterung für die großen amerikanischen Komponisten wie Waxman, Steiner oder John Williams, die ihn zum Filmmusikschreiben animiert haben. Später versuchte er immer wieder, zu diesem Stil zurückzukommen, auch wenn die vielseitigen Herausforderungen der französischen Filme einen sehr eigenen Personalstil reifen ließen.

In den neunziger Jahren arbeitete Desplat mit vielen namhaften französischen Filmregisseuren zusammen, was ihm mehrere Nominierungen für den französischen Filmpreis César einbrachte. 1994 startete er seine bis heute fruchtbarste Zusammenarbeit mit dem Regisseur Jaques Audiard, zusammen schufen sie bis heute vier Filme. Der jüngste Film “De battre mon coeur s’est arrêté” inspirierte Desplat zu einer hypnotischen, entrückten Streichermusik, für die er den César gewann. Neben seiner zunehmenden Tätigkeit als Komponist für britische Filme, wurde seine Arbeit auch in den USA zunehmend beachtet. Er schrieb die Titelmelodie für das Projekt “11’09"01 – September 11” 2002 und schließlich erhielt er 2003 den Auftrag für “Das Mädchen mit dem Perlenohrring”. Der wunderbar klassizistische und elegante Score öffnete ihm das Tor nach Amerika und gab seiner Karriere einen Schub zum richtigen Moment. Mittlerweile vertonte er fast zehn Filme in den USA, blieb seiner künstlerischen Heimat Europa aber weiterhin treu. Sein variantenreicher, einfühlsamer Orchesterstil, das gleichberechtigte Einbinden des Synthesizers, den richtigen Riecher für rhythmische Strenge und ausladende Themen und das feinste Gespür für dramatische Nuancen bereichern die Welt der Filmmusik über dem Atlantik und hier in Europa. Er gewann 2005 den Golden Globe für “The Painted Veil”, wurde 2007 für “The Queen” für den Oscar nominiert und wann er den Oscar gewinnt, scheint nur noch eine Frage der Zeit.

Jan Titel / 28.11.07