Interviews
Kurzinterview mit Marco Beltrami (3:10 To Yuma)
Guten Tag Herr Beltrami. “3:10 To Yuma” ist Ihr zweiter Westernscore nach “The Three Burials Of Melquiades Estrada”. Wie unterscheiden sich die Filme und was sind Gemeinsamkeiten in Ihrem Vertonungsansatz?
Also, ich denke “Three Burials ...” ist nicht unbedingt ein reiner Western, obwohl es einige Westernelemente darin gibt. Ich denke, die Gemeinsamkeiten sind ganz klar, dass beide Scores eine Kombination aus elektronisch manipulierten akustischen Sounds und einem ausgewählten Kammerensemble sind. In “The Burials...” haben wir mehr natürliche, traditionell indianisch-amerikanische Instrumente wie den “plucked sautillo cactus” benutzt. In “3:10 To Yuma” waren es eher die Instrumente des 19. Jahrhunderts wie das Harmonium oder das Hammerklavier, um es mit sinfonischen Mitteln zu kombinieren.
Es gibt in dem Score einen sehr engen rhythmischen Zusammenhalt zwischen Percussion, Gitarren und Streichern. Wie wichtig war es, diese Elemente als eine Einheit zu präsentieren?
Alle Elemente sollten dem Film eine einzigartige rhythmische Identität geben. Ich habe außerdem herausgefunden, dass klassische Streicher ganz hervorragende Rhythmusinstrumente sein können.
In “Yuma” gibt es sehr selten melodische Phrasen, aber wenn dann sehr signifikant wie in “Bible Study”. Wie entscheiden Sie, wieviel Melodie ein Filmscore braucht?
Ursprünglich gab es in dem Streifen deutlich mehr Themen und Melodie, aber es hat sich herausgestellt, dass viele Szenen sehr gut funktioniert haben mit lautmalerischer Musik und man sich die Melodie für später aufheben konnte.
Im Finale hören wir eine schöne Hommage an Ennio Morricone mit dem Einsatz der Trompete. Was war das dramaturgische Ziel dahinter?
Morricone hat mich schon immer sehr stark beeinflusst. Ich hatte die Idee, diesen Film auf eine Weise anzugehen die Morricone auch gewählt hätte - reale Geräusche und Töne einzubinden und auch ungewöhnliche Elemente zu kombinieren. Zum Beispiel habe ich einen Standuhr-Gong (grandfather clock chime) als rhythmisches Erkennungszeichen für die Figur des Charlie Prince gewählt. Als ich dazu kam, den Titel “Bible Study” zu schreiben, erschien es mir einfach so richtig, diese Trompetenmelodie mit Gitarrenbegleitung einzusetzen. Die Spielweise ist aber definitiv als Reminiszenz zu verstehen.
Vielen Dank für das Interview.
Jan Zwilling / 29.10.07